Vor wenigen Jahren noch war “Social Media”, so die Bezeichnung für Facebook, Twitter & Co, das Lieblingsspielzeug für Marketing- und PR-Fachleute. Heute setzen auch andere Abteilungen in den Unternehmen verstärkt soziale Netze für ihre Belange ein: Sei es im Kundenservice, zur Entwicklung neuer Produkte, Rekrutierung von Mitarbeitern – und vor allem zur Gewinnung neuer Kunden. Auch in kleineren Unternehmen und Handwerksbetrieben wächst der Zuspruch.

Gewinnung neuer Kunden

Nach einer Studie des Marktforschungsinstitutes Techconsult im Auftrag des Branchenverbands Bitkom sehen 82 Prozent der deutschen Unternehmen die Steigerung des eigenen Bekanntheitsgrades als wichtigstes Ziel. Für 72 Prozent steht die Gewinnung neuer Kunden im Vordergrund und für 68 Prozent die Pflege von Kundenbeziehungen. 42 Prozent der Befragten wollen ihr Image verbessern, 23 Prozent neue Mitarbeiter gewinnen und 15 Prozent die Produktentwicklung vorantreiben. „Soziale Medien sind in vielen Unternehmen fester Bestandteil der internen und externen Kommunikation geworden”, so Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf. Nach der Befragung setzt fast die Hälfte (47 Prozent) aller Unternehmen in Deutschland derzeit soziale Medien ein. Laut Bitkom-Chef Kempf werden für den Social-Media-Einsatz zunehmend feste Strukturen mit spezialisierten Mitarbeitern und eigenen Budgets geschaffen – und das nicht nur in großen Konzernen, sondern zunehmend auch in kleineren Unternehmen.

Nur die Hälfte betreibt Media Monitoring

63 Prozent der großen Unternehmen verfügen über sogenannte Social Media Guidelines, die Mitarbeitern Richtlinien für die berufliche Nutzung sozialer Medien geben, während es bei den kleinen Unternehmen nur 19 Prozent sind. Ein Socia Media Monitoring betreiben 48 Prozent der großen, aber nur 10 Prozent der mittelständischen Unternehmen. „Der Mittelstand muss die Organisation seiner Social-Media-Aktivitäten dringend professionalisieren, wenn er das Feld nicht den Großen überlassen will.”, fordert Kempf.

Einsatz birgt auch Risiken

Laut Umfrage sind 38 Prozent aller Unternehmen bislang nicht im Social Web aktiv. Ein Großteil befürchtet, dort seine Zielgruppen nicht zu erreichen. Zudem gebe es nach wie vor rechtliche Bedenken, insbesondere hinsichtlich des Datenschutzes. „Manche Bedenken sind verständlich, aber auch der Verzicht auf den Einsatz sozialer Medien birgt Risiken”, so Bitkom-Präsident Kempf. Wer sich den sozialen Medien verschließe, verzichtet bewusst darauf, Einfluss zu nehmen.

Der Kunde entwickelt Produkte mit

Mit der weiteren Verbreitung von sozialen Medien zeichnet sich aus Sicht des Bitkom ein Kulturwandel hin zu offeneren Kommunikationsstrukturen ab. Kontakte in sozialen Netzwerken werden Teil des Kundenservice. Das Social Web kann auch genutzt werden, um neue Produkte und Dienste mit Beteiligung der Netzgemeinde zu entwickeln. Gerade dieser letzte Teil – die Intergration von Social Media in die internen Prozesse und Strukturen der Unternehmen – gewinnt zunehmend an Bedeutung. Aber: Noch nicht alle Unternehmen hätten erkannt, welches Business-Potenzial die sozialen Medien haben.

 

 

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