Heute habe ich ein neues E-Mail-Konto eröffnet. Nein, nicht bei einer Bank. Banken waren mal ein Markenzeichen des Vertrauens. Sie haben es bei vielen Kunden im wahrsten Sinne des Wortes verspielt. E-Mail-Konten führe ich bei Hosteurope, bei Gmx, bei Web.de und bei einigen anderen Anbietern. Aber kostenfreie E-Mail-Anbieter wie Gmx oder Web.de leben vor allem von Werbung und der Weitergabe ihrer Kundendaten. Und Hosteurope, ein gestandener Internet-Provider, den ich seit Jahren bezahle, hat es bis heute nicht mal geschafft, eine verschlüsselte Übertragung beim Abruf meiner E-Mails anzubieten.

Posteo, ein kleiner Dienstleister aus Berlin, beschreitet seit September 2009 einen neuen Weg. Für nur einen Euro monatlich garantiert die IT-Firma bei Nutzung ihres E-Mail-Dienstes Werbefreiheit, Datenschutz und Sicherheit. Zur Registrierung werden nicht einmal Bestandsdaten wie beispielsweise Anschrift und Geschlecht abgefragt, was den Nutzern anonymes Mailen ermöglicht. Der Kunde erhält nahezu alle Dienste wie bei anderen E-Mail-Anbietern auch – 2 GB Speicherplatz und hohe Sicherheit durch verschlüsselte Übertragung und Speicherung inklusive. Ein idealer Service für Smartphone-Besitzer. Fasziniert hat mich auch der Umzugsservice: Posteo hilft, die E-Mail-Daten vom bisherigen Anbieter ganz einfach zu transferieren. Die Anmerkung “Sicher gegen Abhören und Beschlagnahmung” zieht hoffentlich keine Steuersünder an. 🙂

Bezahlt wird im übrigen entweder bar und anonym per Post, Überweisung oder über Paypal. Zudem setzt Gründer Patrik Löhr in seinem Unternehmen auf ökologische Nachhaltigkeit: Die Server werden mit 100 Prozent Ökostrom von Greenpeace betrieben und als Hausbank nutzt er die sozial-ökologische GLS-Bank aus Bochum, die seit der Bankenkrise einen enormen Zulauf verzeichnet. Posteo erinnert mich ein wenig an meine Bank, der ich seit zirka zwei Jahren vertraue: Der GLS-Bank. Ein E-Mail-Konto ist eben doch ähnlich wie ein Bankkonto.

Patrik Löhr

Zwei Fragen an Gründer Patrik Löhr

Wie ist das bisherige Interesse? Starker Zulauf, wie bei der GLS-Bank?

Ja, zurzeit haben wir viel Zulauf. Damit hatten wir nicht gerechnet, als wir Posteo ins Leben gerufen haben. Posteo ist ein Nischenprodukt, ein Angebot für alle, denen Nachhaltigkeit und Datenschutz wichtig ist. Und in diesen Kreisen hat sich unser Projekt sehr schnell herumgesprochen. Ohne, dass wir viel Werbung machen mussten. Trotzdem ist das Interesse sicher nicht vergleichbar mit dem, das der GLS-Bank entgegengebracht wird, die es schon 35 Jahre gibt.

Warum bieten Sie den Dienst an, was war Ihre persönliche Motivation?

Wir haben selbst nach E-Mailanbietern gesucht, denen wir nicht alle unsere Daten preisgeben müssen und die uns mit Werbung überhäufen. Gleichzeitig war es uns wichtig, dass die Server mit echtem Ökostrom laufen. Wir haben nichts in der Richtung gefunden und da wir schon Erfahrung mit E-Maildiensten für Geschäftskunden haben, starteten wir Posteo. Um einen technisch guten E-Mailservice zu bieten, der gleichzeitig unseren hohen politischen Ansprüchen genügt.

Jürgen Christ anrufen