Ein Bremer Maschinenbauingenieur erfand einen Toaster, mit dem Bratwürste grillen kann. Sein Material besteht aus Edelstahl und er wiegt stolze acht Kilo. Und eigentlich sieht er aus wie ein überdimensionaler Toaster. Wenn da an der Oberseite nicht diese beiden kreisförmigen Öffnungen wären. Der Wursttoaster der Bremer Smartwurst GmbH ist eine Weltneuheit: die Automation der Bratwurstherstellung Made in Germany.

 

 

Die perfekte Bratwurst ohne Grill

Zwei Würste gleichzeitig kann man mit dieser innovativen Maschine braten. Dazu steckt man die Würste vertikal in die kreisförmigen Gitterröhre, in der sie mittig fixiert werden. Um diese Gitterröhre befindet sich ein Heizmantel. Schon nach drei bis fünf Minuten spuckt der Toaster die fertige Wurst automatisch wieder aus. Das Ergebnis: eine gleichmäßig gebratene Wurst ohne Längsstreifen, außen knusprig, innen saftig. Spezielle vorgegrillte Würste benötigen sogar nur zweieinhalb Minuten Garzeit.

Dabei verstehen die beiden Existenzgründer Marco Bruns und Felix Rennies ihre Idee keineswegs als Ersatz für die klassische Wurst vom Grill. Sie dachten während der Produktentwicklung eher an eine Bratwurst zum Bier in der Kneipe. Schon nach kurzer zeigten aber auch zahlreiche Bäckereien, Bistros und Tankstellen Interesse an der norddeutschen Erfindung. Ein weiterer Vorteil: der Toaster kann auch mobil eingesetzt werden, vorausgesetzt, Strom ist in der Nähe. Die Reinigung, so verspricht der Hersteller, sei kinderleicht. Alle Bauteile sind abnehmbar und können in die Spülmaschinen gesteckt oder mit einem Grillreiniger gesäubert werden.

Entwicklung im heimischen Keller

„Die Engländer sind schuld an der Idee“, erklärt der 25-Jährige Maschinenbauingenieur Felix Rennies. „Bei einem Besuch in London versuchte eine englische Verkäuferin mir eine schlecht gegrillte deutsche Bratwurst zu verkaufen. Das brachte mich auf die Idee, die Bratwurstherstellung zu automatisieren“. Wieder zurück an seiner Uni in Emden entwickelte Rennies den Toaster im Rahmen einer Hausarbeit – im heimischen Keller, zusammengesetzt aus Teilen von klassischen Toastern. Ende 2009 stellte er den ersten Prototypen vor, der schließlich im September vergangenen Jahres seine Serienreife erlangte.

Thüringer Bratwurst aus dem Toaster

Zur Herstellung kooperiert die Smartwurst GmbH mit regionalen Unternehmen, einer Metallbaufirma sowie einem Unternehmen für Elektronikbauteile, wo der Zusammenbau und der Versand erfolgt. „Wir stellten schnell fest, dass das Know-how bei deutschen Unternehmen bereits vorhanden ist. Wir selber verstehen uns eher als Netzwerker. Ich entwickele und übernehme die Qualitätskontrolle, mein Partner Marco Bruns ist für das Marketing verantwortlich“, erläutert Rennies die Firmenphilosophie. Weiterhin kooperieren die pfiffigen Jungunternehmer mit dem Wursthersteller Bley, der eine spezielle, auf den Wursttoaster abgestimmte, deutsche Bratwurst anbietet. „Sie trifft den Geschmack vieler Deutschen. Außerdem wollten wir eine sehr hochwertige Wurst mit anbieten, weil jeder, den den Toaster testet, erst einmal skeptisch ist“, meint Rennies. Grundsätzlich kann aber jede beliebige Bratwurst im Toaster hergestellt werden. „So werden auch die regionalen Vorlieben berücksichtigt. Ein Thüringer käme nie auf die Idee eine andere Wurst zu nehmen“, sagt Erfinder Rennies und lacht.

Schon nach 10 verkauften Würsten pro Tag soll sich der 985 Euro teure Toaster nach drei Monaten armotisiert haben – bei einem Verkaufspreis von zwei Euro und Verkauf an 25 Werktagen, Senf, Strom und Pappe inklusive. Die Smartwurst GmbH, die insgesamt vier Mitarbeiter beschäftigt, will im nächsten Jahr bereits schwarze Zahlen schreiben. Finanziert wurde die Gründung von der Wirtschaftsförderung Bremen, der Bremer Aufbaubank und der Sparkasse Bremen. Zur Expansion sind vor allem Verkäufe ins Ausland angedacht, um die deutsche Bratwurst unter anderem im Vereinigten Königreich wieder genießbar zu machen.

www.wursttoaster.com

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