Drachenzugpferde für den Schiffsverkehr:
Das Hamburger Unternehmen Skysails entwickelt und produziert Zugdrachen für Schiffe sowie Yachten und reduziert so deutlich die Energiekosten. Schon als kleiner Junge haben den Unternehmensgründer von Skysails Drachen fasziniert. Stephan Wrage nahm sich die alte Nähmaschine der Oma und fing an, Drachen zu nähen und zu bauen.

„Drachen haben mehr Kraft als Segel“, erklärt der 39-jährige Unternehmer aus Hamburg. Heute sind seine Drachen bis zu 400 Quadratmeter groß und drehen ihre achtförmigen Kreise in mehr als zweihundert Metern Höhe – computergesteuert. An einem Seil aus Polyethylenfasern befestigt, ziehen sie Fracht- oder Containerschiffe wie die Aghia Marina von Cargill mit 30.000 Bruttoregistertonnen. Dieses speziell in einer Technologiepartnerschaft – unter anderem mit dem Unternehmen DSM – entwickelte Seil gewährleistet hohe Festigkeit bei geringem Gewicht und langer Haltbarkeit. Es ist feuchte- sowie UV- und chemikalienbeständig sowie 15 Mal fester als Stahl. Das Zugseil überträgt die Kräfte des Zugdrachens auf das Schiff. Mit Hilfe des Windes erzeugt ein 160 Quadratmeter – die kleine Variante – SkySails-Segel bis zu acht Tonnen Zugkraft – das entspricht in etwa der Schubkraft eines Airbus A318-Triebwerkes. Auf hoher See wird das Drachensegel mit Hilfe eines Hydraulikhubarms auf die nötige Höhe gebracht.

Das Skysails-System reduziert die Treibstoffkosten und den Emissionsausstoß bis zu 1 bis 3 Tonnen Öl pro Tag, bei günstigen Windbedingungen zeitweise bis zu 50 Prozent Fremdenergie. Bis zu zwei Megawatt Antriebsleistung bringt das mit 400 Quadratmetern Drachenfläche größte System von Skysails, das für zirka eine Million Euro erhältlich ist. „Der Preis ist immer ein Projektpreis. Das System amortisiert sich bereits nach drei bis fünf Jahren“, meint Wrage. „Allerdings muss ein Reeder wieder lernen, den Wind wie zu alten Zeiten zu nutzen.“ Unmittelbar nach seinem Wirtschafts- und Maschinenbaustudiums machte Wrage sich mit seiner Idee selbstständig, gründete gemeinsam mit zwei Mitstreitern Skysails. Inzwischen investierten Kapitalgeber mehrere Millionen Euro in das Unternehmen. Fünf Schiffe wurden bisher mit dem Antriebssystem ausgerüstet.

Im Herbst vergangenen Jahres unterzeichnete Wrage einen Kooperationsvertrag mit dem Berliner Solarschiffshersteller SolarWaterWorld, der bei Skysails einen siebenstelligen Betrag in die Entwicklung einer emissionsfreien Solar-Yacht investiert. Die Kombination von solarelektrischem und SkySails-Antrieb ist nicht nur in ökologischer Hinsicht eine Sensation. Neben der völligen CO2-Freiheit bekommen konventionelle Segelschiffe und Motoryachten Konkurrenz auf einer ganz anderen Ebene: Motoryachten sind schnell und bieten viel Platz. Eine Segelyacht hingegen bietet emissions- und vibrationsfreien Fahrspaß. Eine Solar-Yacht mit SkySails-Antrieb kombiniert die Vorteile beider Welten: sie gleitet lautlos, aber mit dem Komfort einer Motoryacht über die Wellen. Gleichzeitig erzeugt der Zugdrachen pro Quadratmeter Fläche bis zu 25 Mal soviel Kraft wie konventionelle Segelantriebe und sorgt damit für hohe Geschwindigkeit.

In Wismar werden die Skysails-Drachen gefertigt, in Hamburg die Systeme mit Partnern entwickelt. Aufgrund der schwierigen Lage im Schiffsmarkt musste Wrage allerdings 40 seiner insgesamt 80 Mitarbeiter entlassen. „Es bleibt den Reedereien derzeit kaum Platz für Investitionen. Wir rechnen aber damit, dass die Flaute im maritimen Markt bis Jahresende beendet ist und die Schiffseigner wieder den nötigen Aufwind bekommen“.