Geschafft! Alle Daten der vergangenen Woche sind gesichert – auf einer externen USB-Festplatte. Das Backup-Medium liegt am Wochenende vergessen in der Schublade oder auf dem Schreibtisch im Büro. Vertrauliche Kunden- und Finanzdaten inklusive. Das könnte Ihnen passieren…

Szenario 1:
Ein Dieb bricht ein, stiehlt alles, was er finden kann, Datensicherungsplatte inklusive.

Szenario 2:
Das Büro brennt, die Flammen vernichten Hardware inklusive der wertvollen Kundendaten in einer Nacht.

Szenario 3:
Wasserschaden. Wem nützt dann die teuerste Versicherung?

Szenario 4:
Hauseinsturz. Gewiss, ein sehr seltener Fall.

Szenario 5:
Schon eher: Sie vergessen die kleine handliche USB-Platte irgendwo.

 

Bedenkt man noch, dass selbst eine simple Datensicherung auf eine externe Festplatte für viele Kleinstunternehmer und Freiberufler immer noch kein Thema ist, beispielsweise bei Rechtsanwälten und Ärzten, obwohl preisgünstige externe USB-Festplatten bereits für um die 50 Euro erhältlich sind. Fällt die interne Festplatte im Desktop-PC oder Notebook durch einen Totaldefekt aus, sind alle Daten verloren – und die Firma steht still. Vielen Unternehmern fehlt es einfach an technischen Kenntnissen die richtige Backup-Software zu installieren – und die Daten regelmäßig zu sichern.

Synchronisation und vernetztes Arbeiten

Zudem erschwert die Nutzung der Firmendaten mit verschiedenen Endgeräten – wie Notebook, Desktop-PC, Smartphone oder Tablet-PC – den Alltag, müssen sie doch häufig manuell untereinander synchronisiert werden, was wertvolle Zeit in Anspruch nimmt. Ein anderer Punkt, den Kleinstunternehmer auch häufig unterschätzen: den Datenaustausch bei gemeinsamen Projekten im Team. Im Alltag versenden die Projektteilnehmer untereinander oft riesige Dateien per E-Mail, seien es Bilder, Filme oder Programme – statt die Möglichkeiten der Cloud für ein gemeinsames „File Sharing“ (Dateien teilen) mit automatischer Datensynchronisation im Hintergrund zu nutzen.

Datensicherung in der ‚Cloud‘

Zu einem Trend hat sich daher in den letzten Jahren ein Backup der Daten in der ‚Cloud‘ entwickelt: die Datensicherung erfolgt auf Internet-Servern. Eine Studie der Continum AG unter 400 Firmen zeigte auf, dass immer mehr mittlere und große Unternehmen ihre Sicherungsdaten auslagern. Bei kleineren Unternehmen sind es vor allem wirtschaftliche Gründe und Datensicherheit. Im Laufe der letzten Jahre entstanden immer mehr Anbieter für unterschiedliche Zielgruppen in diesem Marktsegment. Laut der Continum-Befragung werden Online-Backups bereits von 17 Prozent der Unternehmen genutzt, 28 Prozent planen solche Lösungen für die Zukunft. „Die Zukunft: Mit der zunehmenden Internet-Bandbreite wird Online-Backup für immer mehr KMU praktikabel. Es besteht ein gewaltiges Potential für Anbieter von Online-Backup. Dabei ist es vielen KMU wichtig, dass die Daten gut verschlüsselt und in Europa gespeichert werden“, meint Luzius Meisser, CTO und Mitgründer des europäischen Anbieters Wuala.

Während alle großen Internet-Provider wie Strato, Telekom, Vodafone und Kabel Deutschland derartige Lösungen für ihre Bestandskunden zu einer geringen Abo-Gebühr anbieten, gesellen sich zu den großen eine Reihe international agierender Internet-Unternehmen wie Dropbox, Wuala und Shugarsync. Alle Anbieter stellen ihren Kunden Software für unterschiedliche Betriebssysteme sowie einen geringen Speicherplatz zum Schnuppern kostenfrei zur Verfügung. Einige Beispiele:

Online-Datensicherung

Strato Hidrive
Der deutsche Anbieter Strato peilt mit seiner Online-Backup-Lösung konsequent Geschäftskunden an. Es handelt sich bei Hidrive um eine Backup- und Sharing-Lösung. Bei Vertragsabschluss bietet Strato eine kostenfreie Windows-Backup-Software und eine 1-TB-USB-Festplatte, die die Daten automatisch zum HiDrive-Online-Speicherplatz überträgt (SSH, SSL, VPN), unterstützt werden aber auch Rsync, FTP und andere. Mindestvertragslaufzeit: 6, 12 oder 24 Monate. Der Speicherplatz beginnt ab 1000 GB mit 25 Benutzerkonten und kostet bei einer jährlichen Vertragslaufzeit 49,95 Euro monatlich.
www.strato.de

Shugarsync und Dropbox
Beide Anbieter zählen zwar zu den internationalen Marktführern, sitzen aber in den USA und bieten ihre Dienste vornehmlich für Privatkunden an. Beide haben aber auch für Geschäftskunden ein erweitertes Produktportfolio. Shugarsync: 3 Benutzer mit 100 GB Speicherplatz, 299,99 $ jährlich. Dropbox: 5 Benutzer, 1000 GB Speicherplatz, 795 $ jährlich. Shugarsync ist vor allem ein auf mobile Geräte spezialisierter Anbieter und unterstützt Android, iPhone, iPad, BlackBerry, Symbian (Nokia) und Windows Mobile. Beide Anbieter versichern zwar, dass die Daten auf den Festplatten sicher verschlüsselt (Shugarsync: 128-Bit AES, Dropbox: 256-Bit AES) seien, aber sie werden erst nach – einer gesicherten (SSL) – Übertragung zu den Servern verschlüsselt, was theoretisch den Zugriff von Mitarbeitern ermöglicht. Vorteile: Änderungen an Dateien oder Löschungen können rückgängig gemacht werden. Ein Sicherheitsleck bei Dropbox, das im Frühjahr vergangenen Jahres bekannt wurde, macht jedoch deutlich, wie wichtig eine eigene lokale Verschlüsselungslösung ist.
www.dropbox.com
www.shugarsync.com

Wuala
Wuala, von Schweizer Studenten entwickelt und später vom französischen IT-Konzern Lacie gekauft, ist der einzige Anbieter, der konsequent verschlüsseltes Cloud-Computing anbietet. Die Wuala-Software, die für alle Betriebssysteme wie Windows, Mac und Linux, iOS und Android zur Verfügung steht, codiert alle Daten bereits lokal beim Benutzer (256-Bit AES, 2048 Bit RSA und SHA-256), aber Softwarefehler sind nie auszuschließen. Die Wuala-Software bietet neben Online-Backup, Synchronisation, Gruppenverwaltung sowie dem teilen von Daten auch die lokale Einbindung des Speicherplatzes als quasi „Online-Festplatte“. So erscheint dann beispielsweise unter Windows ein weiteres Laufwerk, beispielsweise E: oder F:. 2 GB Speicherplatz sind kostenfrei, für Geschäftskunden: 5 Benutzer mit 100 GB Speicherplatz für 389 Euro jährlich. Schmankerl für Käufer von Lacie-USB-Sticks: Kunden erhalten den Speicherplatz des USB-Sticks für ein Jahr kostenfrei bei Wuala.
www.wuala.com

Cloudsafe
Ein deutsches Produkt mit Server-Standort in Deutschland. Das Internet-Startup, das bereits auf seiner Startseite versichert, dass Mitarbeiter keinen Zugriff auf die Daten haben, enthielt für seine Lösung bereits einen Innovationspreis. Cloudsafe ermöglicht neben Online-Backup, Gruppenverwaltung, teilen von Dateien auch die Einteilung in mehrere Datentresore. Die Verschlüsselung erfolgt per 256-Bit AES. Bei Cloudsafe sind 2 GB kostenfrei, 5 GB kosten monatlich 2,99 Euro, 50 GB 7,99 Euro.
www.cloudsafe.de

 

Fazit:

Es haben sich für kleine, mittelständische und Großunternehmen zahlreiche Anbieter im Markt etabliert. Anwender sollten einen Standort des Servers in Deutschland/Europa bevorzugen, prüfen, ob eine Software zur automatisierten Datensicherung für verschiedene Endgeräte im Preis enthalten ist, vor allem aber auf die Sicherheit achten – auch wenn die Angebote von US-Anbietern im Preis besser erscheinen. In allen Fällen empfiehlt sich vor der Übertragung die lokale Verschlüsselung von sensiblen Daten.

Übersicht von Anbietern zur Online-Datensicherung:
http://de.wikipedia.org/wiki/Online-Datensicherung

Begriff ‚Cloud Computing‘
http://de.wikipedia.org/wiki/Cloud_Computing