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Häusliche Müllpflege

Mittwoch, 24. Juni 2009 | Autor: Jürgen Christ


Foto: Thommy Weiss, www.pixelio.de
Foto: Thommy Weiss, www.pixelio.de

Meine Freundin meint, zwei Quadratmeter reichen nicht mehr aus. Das Zimmer sollte schon größer werden, wenn er wächst. Er stinkt, braucht Frischluft und viel Pflege, der liebe Hausmüll. Mein kleiner Anteil zu den 381 Millionen Tonnen Müll, die wir Deutschen jährlich produzieren. Ob Papier, Pappe, Plastik, Metall, Elektroschrott, Essensreste oder Joghurtbecher - erst einmal stapelt sich der Müll vorsortiert in meiner Wohnung. Vor allem am Wochenende. Montags landet er dann in der schwarzen, gelben, blauen oder in der braunen Tonne. Doch was kommt wo hinein? Ohne meinen Internet-Müllberater, den die Stadt Leipzig anbietet, wäre ich völlig hilflos. Okay, Essensreste nicht in den Klo. Aber die verbrauchten Rasierklingen oder das alte Pommes-Öl?

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Kategorie: Arbeitsproben, Kommentare

Menschliche Computer

Montag, 22. Juni 2009 | Autor: Jürgen Christ


Foto: Judith-Lisser-Meister, www.pixelio.de

Foto: Judith-Lisser-Meister, www.pixelio.de

Wie oft ärgere ich mich über meinen Computer? Ich weiß es nicht genau, aber oft. Der Kerl verrechnet sich, trifft falsche Entscheidungen und gibt mir seltsame Zeichen. Meist fluche ich, beschimpfe ihn dann. Wie, wenn ich mich über „Call Center“ ärgere. Dabei machen seine großen Kollegen bei der Telekom oder der Bahn viel mehr Mist. Immer, wenn ich dort wegen eines größeren Problems anrufe, erklären mir Mitarbeiter, sie hätten einen „Computerfehler“, „Software-Updates“ oder etwas ähnliches. Beispiel: Telekom. Nach Zusendung einer Mahnung für eine bezahlte Rechnung schiebt eine Mitarbeiterin dies auf eine „Softwareumstellung“. Trotzdem erscheint auf der nächsten Rechnung eine Mahngebühr - und die Dame erklärt erneut: „Netzwerkfehler!“ Die Bahn verkauft ICE-Fahrscheine für Züge, die eigentlich ICs - und damit preiswerter - sind. Auf Anfrage verärgerter Kunden, na, Sie wissen schon, erklärt der freundliche Bahn-Mitarbeiter: Er mache nur, “was der Computer vorgibt”. Meine Kabelgesellschaft, die eine überfällige Störung beheben soll, findet die Störungsmeldung auf meine Nachfrage nicht mehr im PC. Die Mitarbeiterin findet eine philosophische Erklärung: „Sie ist einfach im System verschwunden.“ Ich stelle mir ein Leben ohne Computer vor. Mitarbeiter bekämen wieder mehr Verantwortung. Und die Computerhersteller müssten für die vielen Fehler milliardenschwere Schadenersatzsummen zahlen. Mein Computer piept und reißt mich aus meinen Gedanken. „Allgemeine Schutzverletzung.“ Ob er mich versteht? Vielleicht fühlt er sich nur ein wenig mißverstanden und nicht so richtig menschlich behandelt. Bei dem Gedanken lächele ich und freue mich, daß es ihn gibt. Er spürt es offenbar. An solchen Tagen läuft er fehlerfrei.

Erschienen in der Sächsischen Zeitung am Sonntag, 2004.

Kategorie: Arbeitsproben, Kommentare