Das Internet bietet kleinen Selbständigen und Freiberuflern eine kostengünstige Marketingalternative im Vergleich zu traditionellen Medien. Viele Nutzer sind aber auch privat im Web unterwegs und unterschätzen das Gefahrenpotenzial für den eigenen, guten Ruf. Aber nicht nur sie nutzen das Web. Hinzu gesellen sich Familienmitglieder, Freunde und Mitbewerber sowie Bankangestellte oder Verbandskollegen. Um den Ruf zu wahren oder sich erst einmal einen guten Ruf in der virtuellen Welt aufzubauen, ist ein Online-Reputationsmanagement erforderlich, kurz ORM. Was ist dabei zu beachten, wo liegen die Unterschiede zur realen Welt und welche Rolle spielen Maschinen dabei?

Ich habe darüber kurz mit Malte Landwehr gesprochen, der sich seit einigen Jahren mit dem Thema ORM und Suchmaschinenoptimierung (SEO) beschäftigt. Der 24-Jährige Informatikstudent aus Münster gründete das Unternehmen seoFactory und bloggt seit geraumer Zeit zu Themen wie ORM und Social Media Marketing.


Malte Landwehr, wofür ist eine Online Reputation gut?

Malte Landwehr: Die Reputation ist der Ruf, den eine Person besitzt. Für die meisten Menschen geht dieser Ruf im realen Leben nicht über Hörensagen und Mund-zu-Mund Propaganda hinaus. Mediale Aufmerksamkeit wird nur auf das Leben weniger Prominenter gerichtet, nicht aber den unbekannten Otto-Normal-Verbraucher. Im Internet ist das ganz anders. Das WWW hat sich seit Ende der 1990er Jahre bis heute zu einem großen kollektiven Mitmach-Netz gewandelt. Surfer sind von ehemals passiven Konsumenten zu aktiven Akteuren geworden.

Ist das Thema ORM, die Abkürzung für Online Reputation Management  nicht eher ein künstlicher Trend?

Malte Landwehr: Der Trend, sich um die eigene Reputation im Internet zu kümmern, ist ganz und gar nicht künstlich. Vielmehr steht das Thema noch ganz am Anfang und wird in Zukunft deutlich wichtiger werden, für jeden von uns. All der neue, von Nutzern erzeugte Inhalt birgt gefährliches Potenzial. Wenn die Grenzen zwischen privaten Schriften und redaktionellen Inhalten verschwimmen, lässt sich die Glaubwürdigkeit einer Quelle nur schwer überprüfen.

Welche Arten von Schäden können Unachtsame davontragen?

Malte Landwehr: Es gibt zwei Arten von potenziell negativen Inhalten, die im Internet in Verbindung mit dem eigenen Namen auftauchen können. Die, die man selbst erzeugt und die, die von anderen stammen. Trotz der gefühlten Anonymität sollte man im Internet besonders vorsichtig sein mit dem, was man preisgibt. Jede Äußerung könnte theoretisch von einer Suchmaschine wieder ausgespuckt werden. Laut einer Studie des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater haben schon 2007 rund 30 Prozent aller Personaler Bewerber per Google-Suche durchleuchtet. Und diese Zahl wird bis heute gewachsen sein.

Also betrifft Reputation Management nur Jobsucher und Karrieremenschen?

Malte Landwehr: Neben potenziellen Arbeitgebern kann man auch bei Familie, Freunden und Kollegen in Ungnade fallen, falls diese bei einer Recherche entsprechende Inhalte finden. Eine schlechte Online Reputation kann sich also sowohl auf den beruflichen als auch auf den privaten Alltag verheerend auswirken.

Wenn ich im Web Unsinn geschrieben habe, kann ich den doch einfach löschen – und weg ist er…

Malte Landwehr: Das funktioniert leider nicht. Zunächst muss man unterscheiden, auf welchen Internetseiten die Inhalte veröffentlicht sind. Viele Websites bieten die Möglichkeit, selbst erstellte Inhalte zu löschen. Ist dies nicht der Fall, gibt es bei einer Website aus Deutschland gute Chancen, Inhalte auf dem juristischen Weg entfernen zu lassen. Sobald der Websitebetreiber im Ausland sitzt, ist dies jedoch sehr schwierig und unter Umständen unmöglich. Ein zweites Problem sind Suchmaschinen. Diese durchforsten das Internet und machen gelöschte Inhalte zumindest kurzfristig über die Cache-Funktion zugänglich. Sogar für einen unbegrenzten Zeitraum werden die Inhalte bei Archive.org gespeichert. Auf dieser Seite läuft die „Way Back Machine“ – dieser Service erlaubt es, alte Versionen von Websites zu betrachten.

Zu diesen regulären Suchmaschinen kommen Scraper-Sites. Auch diese durchforsten das Internet, veröffentlichen die gefundenen Inhalte jedoch sofort und permanent mit dem Ziel, über Werbeeinnahmen Profite zu erzielen. Ist ein Text einmal in der Datenbank eines solchen Scrapers, kann er unter Umständen über Jahre hinweg immer wieder auf dutzenden Websites des Betreibers auftauchen. Häufig sind es auch nur aus dem Zusammenhang gerissene Textfragmente, was noch brisanter und gefährlicher sein kann.

Das hört sich gefährlich an…

Malte Landwehr: Die vermutlich gefährlichste Komponente habe ich noch nicht genannt: Andere Surfer. Je brisanter, aufregender und peinlicher ein Inhalt ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Surfer ihn lokal abspeichert und eventuell sogar direkt auf einer anderen Website weiterverbreitet. Speziell im Web 2.0 ist ihm diese Weiterverbreitung auch ohne technische Kenntnisse oder den Betrieb einer eigenen Website möglich. Ist dieser Prozess erst einmal losgetreten, ist es kaum noch möglich, einen Inhalt wieder aus dem Internet zu entfernen.

 

Zur Person:

Malte Landwehr, 24, studiert Informatik in Münster. In seinem Blog Landwehr Online Reputation Management widmet er sich den Themen Suchmaschinenoptimierung, Social Media Marketing und Online Reputation Management (ORM). Neben seinem Studium betreibt Malte diverse Internetportale und ist als Suchmaschinenoptimierer, Affiliate, sowie Consultant tätig. 2008 hat er die Online Marketing Agentur seoFactory gegründet.