Freier Journalist & Dozent für Webmedien

Juni 2009Monthly Archives

Können Nachrichten schlecht werden?

Wundern Sie sich nicht manchmal über unterschiedliche Fernsehnachrichten? Wenn ich den Fernseher abends einschalte, meldet mir SAT1 manchmal sechs Tote bei einem schweren Verkehrsunfall, bei PRO7 sind es dann nur noch acht und bei RTL immerhin schon 12 Verstorbene. Ich schalte ab. Bei einem abendlichen Spaziergang durch Leipzig stelle ich mir ketzerische Fragen: Wer stellt eigentlich solche Nachrichten her? Wer produziert sie? Wer verkauft sie an wen? Oder bekommt SAT1 für den Einkauf von Nachrichten Rabatt, weil sie mehr oder weniger Tote melden? Nein, bestimmt geht alles mit rechten Dingen zu. Zurückgekehrt nach Hause rüttele ich an meinem Fernseher. Es kann nur an der Technik liegen. Bestimmt zeigt mein japanisches Gerät nur die falschen deutschen Nachrichten an. Wie das nur funktioniert? Oder, jetzt überkommt mich ein anderer Gedanke, veralten Nachrichten wie Joghurts oder Butter? Haben Sie ein Mindesthaltbarkeitsdatum? Warum laufen Freitagsnachrichtenbeiträge von SAT1 auf Kabel1 als Wiederholung am Montag? Sind Nachrichten beliebig kopierbar wie Musik-CDs? Im Internet lese ich andere Fakten als im Videotext. Die Zeitung druckt mal andere Zahlen als sie mir mein Radio gemeldet hat. Und Staat als auch EU helfen den Bürgern nicht, beispielsweise mit Gesetzen für eine Kennzeichnungspflicht schlechter Nachrichten, obwohl sie sich ja sonst um alles kümmern, wie beispielsweise um toten Fisch.

Bisher unveröffentlicht.

PS: Ich besitze keinen Fernseher mehr. Ihm war schlecht, womöglich vor lauter schlechten Nachrichten – und er gab im Februar 2009 seinen Geist auf. Die GEZ kam nicht zu seiner Beerdigung.

Das Ende der Pressefreiheit

DIE GEDANKEN SIND FREI

Ein Kommentar von Michael Konken,
Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV)

Der Festakt ist absolviert, die Verfassung wurde gefeiert, unser Grundgesetz ist nach der Inthronisierung vor 60 Jahren wieder im Alltag angekommen. Es ist in die Jahre gekommen, befindet sich im Vorruhestand. Die Pressefreiheit hat sich zurückentwickelt, der Geist der Gründungsväter wurde ihr kontinuierlich entzogen. Immer stärkere gesetzliche Einschränkungen der Lobby der Sicherheitsfanatiker wurden zu Totengräbern unserer Freiheitsrechte.

Regelmäßig predigten die Hüter der Verfassung den Menschen Angstszenarien, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Sie wurden zu zweifelhaften Begründungen für einschneidende gesetzliche Interventionen in die Pressefreiheit, zu Freifahrtsscheinen für Eingriffe von BKA, BND und Verfassungsschutz. Der Informantenschutz wurde ausgehöhlt, die Werte der Pressefreiheit haben nur noch Alibicharakter. Mittlerweile bespitzeln auch Unternehmen im großen Stil ihre Mitarbeiter, dringen in die Privatsphäre ein. Kein Wunder, denn der Staat macht im großen Stil vor, was Unternehmen mittlerweile als Kavaliersdelikt sehen.

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